Über uns

23grad.blog, das sind wir: 20 Onlinejournalismus-Studierende der Hochschule Darmstadt. Dieses Blog ist unser Semesterprojekt für den Kurs “Lehrredaktion Nord-Süd” in unserem sechsten Semester. Wir zeigen in unseren Beiträgen den Austausch zwischen dem globalen Süden und dem globalen Norden.

Von Simon Bitsch

Nord-Süd im Dialog

Dabei definieren wir den Norden und Süden nicht unbedingt geografisch. Mit “dem Norden” meinen wir die hoch entwickelten Industriestaaten, die große Summen und viel Energie in die Entwicklungszusammenarbeit stecken. Dazu zählen Europa und Länder wie die Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland. Wir sprechen von dem, was man geopolitisch auch als “den Westen” bezeichnet. Bei 23 Grad werden wir uns aber auf die EU-Staaten als Norden konzentrieren. 

Unter “dem Süden” verstehen wir die Länder der “DAC List of ODA Recipients”. Die DAC ist das Development Assistance Committee oder zu Deutsch, der Ausschuss für Entwicklungshilfe der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Jedes Jahr stellt dieser Ausschuss eine Liste auf mit allen Ländern, die Entwicklungshilfe (official development assistance = ODA) empfangen. 

Der Begriff “Entwicklungshilfe” wird im deutschen heute im offiziellen Kontext weniger verwendet. Man spricht eher von “Entwicklungszusammenarbeit”. “Zusammenarbeit” lässt darauf schließen, dass beide Seiten Partner sind. Der Begriff soll das alte Verhältnis von “Industriestaaten” zu “Entwicklungsländern” aufbrechen und betonen, dass wir alle voneinander lernen können. Die DAC-Liste spricht aber noch von Entwicklungshilfe. Es gibt also klare Sender und klare Empfänger. Bei den Empfängern der Liste handelt es sich also um Länder, die man mal als “Entwicklungsländer” bezeichnete.

Die DAC-Liste ist nach Einkommen beziehungsweise Entwicklung gestaffelt. Sie umfasst:

  • Least Developed Countries (am wenigsten entwickelte Länder)
  • Low Income Countries (Länder mit geringem Einkommen)
  • Lower Income Countries (Länder mit mit mittlerem Einkommen im unteren Bereich)
  • Upper-Middle-Income-Countries (Länder mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich)

Die Low-, Lower- und Upper-Middle-Income-Länder, sind Staaten, die ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen aufweisen und daher bei der Entwicklungshilfe berücksichtigt werden. Entgegen der anderen Kategorien ist der Status eines Landes als Least Developed Countries nicht nur vom Einkommen abhängig. Die Least Developed Countries werden durch die Vereinten Nationen definiert und umfassen die ärmsten und nach verschiedenen Kriterien am wenigsten entwickelten Staaten der Erde. Aktuell sind 46 Staaten in dieser Kategorie. 

Reise entlang der Längengrade

Wir werden uns bei 23 Grad auf die Länder der DAC-Liste konzentrieren, die nicht in Europa liegen. Auch China werden wir nicht berücksichtigen. Länder, die wir als “Süden” definieren, sind beispielsweise Kuba, Usbekistan, Laos, Afghanistan, Kolumbien, Mali oder die Demokratische Republik Kongo. Es fällt auf: Es handelt sich um Länder, die man früher als Zweite und Dritte Welt bezeichnete. Die Begriffe werden heute weniger verwendet, da sie sprachlich die Trennung der Staaten in verschiedene “Welten” befeuern. Wir haben uns jedoch trotzdem dazu entschieden, die Begriffe Zweite und Dritte Welt in unseren Namen aufzunehmen. Die “23” bei “23 Grad” steht nämlich genau dafür. Wir möchten mit einer Reise entlang der Längengrade (daher kommt das “Grad”) die Verbindung der Staaten hervorheben, die man einst sprachlich durch das Einteilen in Erste, Zweite und Dritte Welt getrennt hat. 

Die Länder, die man ehemals als Zweite und Dritte Welt bezeichnete und die wir auch “Empfänger von Entwicklungszusammenarbeit” nennen, stellen bei uns den südlichen Partner des Austauschs dar, auf den wir uns konzentrieren wollen. Die “23” leitet sich aus dem Umstand ab, dass wir größtenteils über Länder sprechen, die man historisch Zweite und Dritte Welt genannt hat. 

Das “Grad” in “23 Grad” leitet sich aus den Längen- und Breitengraden ab. Die Längengrade sind auf einem Globus die Linien, die Nord und Süd miteinander verbinden. Der Austausch zwischen Nord und Süd, den wir uns anschauen möchten, erfolgt also entlang dieser Linien. Aufgrund der “23” in unserem Namen, schauen wir uns die 23. Längen- und Breitengrade an. Die Wahl der “23” ist nämlich kein Zufall. 

Gerade der 23. östliche Längengrad symbolisiert die Beziehungen, die wir beleuchten. Er verläuft durch EU-Länder wie Schweden, Finnland, die baltischen Staaten, Rumänien und Griechenland, durch NATO-Staaten wie Norwegen oder Nordmazedonien, andererseits aber auch durch afrikanische Länder wie Namibia oder Südafrika und durch Least Developed Länder, wie Angola, Sambia, Tschad und die Zentralafrikanische Republik. Der westliche 23. Längengrad ist eher irrelevant, er verläuft fast ausschließlich durch den Atlantik. 

23° auf dem Globus
23° West durchstreift die Kapverdischen Inseln, Island und Grönland.

23° Ost durchstreift Norwegen, Schweden, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Ukraine, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Nordmazedonien, Griechenland, Libyen, Tschad, Sudan, Zentralafrikanische Republik, DR Kongo, Angola, Sambia, Namibia, Botswana und Südafrika.

23° Süd durchstreift Brasilien, Paraguay, Argentinien, Chile, Australien, Madagaskar, Mosambik, Südafrika, Botswana und Namibia.

23° Nord durchstreift Bahamas, Kuba, Mexiko, die USA (Hawaii), China, Vietnam, Myanmar, Indien, Bangladesch, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Ägypten, Libyen, Tschad, Niger, Algerien, Mali, Mauretanien und die marokkanisch besetzte Westsahara.

Schnittpunkte:
23°N, 23°O: Libyen
23°N, 23°W: Atlantischer Ozean
23°S, 23°W: Atlantischer Ozean
23°S, 23°O: Botswana

Die nördlichen und südlichen 23. Breitengrade durchstreifen ebenfalls viele Länder der DAC-Liste. Indien, Libyen, Mali und Algerien liegen neben zentral- und südamerikanischen Staaten wie Brasilien, Mexiko und Kuba auf diesen beiden Linien des Globus.

Direkt an der Kreuzung: Botswana

Die Kreuzung des östlichen 23. Längengrades und des 23. südlichen Breitengrades liegt im Central Kalahari Game Reserve, einem Wildreservat, im Ghanzi-Distrikt, Botswana. Die DAC Liste führt Botswana als “Upper Middle Income Country”, also als “Land mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich”. Es ist damit Empfänger von Entwicklungshilfe durch die Mitgliedsstaaten der OECD. 

Im Index der menschlichen Entwicklung ist es mit einem Wert von 0,735 ein Land mit “hoher menschlicher Entwicklung”. Das Land steht also, gerade zum Beispiel im Verhältnis zum Nachbarland Sambia, ganz gut da. Trotzdem ist auch hier noch viel Platz für wirtschaftliche und menschliche Entwicklung. In den Jahren 2019 und 2020 ist das Bruttoinlandsprodukt Botswanas zurückgegangen. 2020 lebten immer noch 16 Prozent der Bevölkerung Botswanas in extremer Armut, 52,9 Prozent der Jugendlichen in den Städten sind arbeitslos. 

Index der menschlichen Entwicklung:
Der Index der menschlichen Entwicklung verrechnet die Dimensionen Lebenserwartung, Bildung und Einkommen miteinander. Der Wert kann zwischen 0 und 1 liegen. Platz 1 belegt aktuell Norwegen mit 0,957. Schlusslicht ist Niger mit 0,394. Deutschland liegt auf Platz 6 mit einem Wert von 0,947. Der Index unterscheidet zwischen sehr hoher menschlicher Entwicklung (>0,800), hoher menschlicher Entwicklung (>0,700), mittlerer menschlicher Entwicklung (>0,550) und geringer menschlicher Entwicklung (>0,350).

Zwischen Deutschland und Botswana gibt es Entwicklungszusammenarbeit. Laut der Deutschen Botschaft in Botswana gibt es diese Beziehungen bereits seit den 1980ern. “Seitdem hat sich Botsuana (…)  zu einem Land mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich entwickelt. Dennoch bestehen nach wie vor Herausforderungen wie z. B. der Mangel an Fachkräften, die Botsuana für die (…) wirtschaftliche Diversifizierung benötigt”, schreibt die Botschaft

Botswana, das an der Kreuzung des 23. Längen- und 23. Breitengrades liegt und mit dem “Norden” für seine Entwicklung zusammenarbeitet, soll nur ein Beispiel sein, für die Länder, die wir unter “Süd” verstehen. 

Genau diesen Austausch zwischen den nördlichen EU-Ländern und den südlichen Empfängerländern der Entwicklungszusammenarbeit beleuchten wir in diesem Blog.

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